15. Januar 2011

Katholische Erwachsenenbildung und ihr Projekt „Begegnung mit Respekt“ engagieren sich auf der 3. Meile der Demokratie

meile

Mit einem gemeinsamen Stand auf dem Breiten Weg setzten die Katholische Erwachsenenbildung im Land Sachsen-Anhalt e.V. (KEB) und ihre Projekte „Begegnung mit Respekt“ und „Schulerfolg am Albert-Einstein-Gymnasium Magdeburg“ sowie die Stiftung netzwerk leben auf der 3. Meile der Demokratie ein deutliches Zeichen für ein demokratisches und weltoffenes Magdeburg.

Mitarbeiter_innen beider Einrichtungen sowie Lehrer_innen und Schüler_innen des Gymnasiums luden die Besucher_innen der Meile bei Getränken und Kuchen zu Gesprächen über ihre aktuellen Projekte ein und präsentierten Materialien aus ihrer Arbeit, insbesondere die gerade erschienene Broschüre „Man kann die Welt auch anders sehen. Perspektiven und praxiserprobte Methoden Transkulturellen Lernens“. Unterstützt wurde der Stand auch von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt mit Materialien zur Europäischen Union und den Aktivitäten Sachsen-Anhalts im Rahmen des Europäischen Sozialfonds.

Bei einem Zeitzeuginnengespräch am Nachmittag in den Räumen der KEB berichtete Gerda Fellner aus Magdeburg aus ihrer Lebensgeschichte. Als Kind einer protestantischen Mutter und eines jüdischen Vaters, deren Ehe protestantisch geschlossen wurde, erfuhr sie das Spannungsfeld zwischen Aufwachsen im protestantischen Glauben und der Wahrnehmung von Mitschüler_innen und Mitmenschen als Jüdin.

In der NS-Zeit verschwiegen und in der DDR nicht präsent, bekamen ihre jüdischen Wurzeln und die Auseinandersetzung mit ihnen dennoch durch zentrale Ereignisse Bedeutung. Dazu zählten in der NS-Zeit der Besuch der Großmutter väterlicherseits Helene Fleischer im so genannten „Judenhaus“, später dann die Verlegung von Stolpersteinen in Magdeburg für ihre ermordete Großmutter, ihren Onkel Martin Fleischer und die Tante eines Kindheitsgefährten Lilli Freiberg und in diesem Zusammenhang die Konfrontation mit der verletzenden Frage einer Bekannten, was diese denn gemacht hätten, dass sie ins KZ kamen.

In dem von Frau Waltraut Zachhuber, vom Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg e.V.“, moderierten Gespräch zwischen den Teilnehmenden und Frau Fellner spielte vor allem die Frage nach den Belastungen solcher Zeitzeug_innengesprächen für die Berichtenden eine Rolle, da Frau Fellner ihre Aufregung in dieser Situation offen thematisierte. Weiterhin setzten sich die Zuhörer_innen mit möglichen Handlungsspielräumen und Zivilcourage in verschiedenen gesellschaftlichen Situationen auseinander.

Auf Einladung der KEB fesselte das Improvisationstheater „Herzsprung“ am frühen Abend und zum Abschluss auf der Kirchenbühne junge und ältere Zuschauer, die sich zunehmend vor ihr versammelten, mit seinen lebendigen Einladungen mit musikalischer Begleitung zum Zuhören, Mitmachen, Mitspielen und Nachdenken gegen rechte Gewalt und (soziale) Kälte. So wurden z.B. Begriffe wie Diktatur und Revolution von den beiden Schauspieler_innen auf der Bühne in Bewegungen umgesetzt und das Publikum zum Nachahmen animiert. Zwischen den Improvisationen berichtete Bischof em. Leo Nowak im Zeitzeugengespräch über seine persönlichen Erfahrungen des Nationalsozialismus, der DDR und der Nachwendezeit.